Gesellschaftskrankheit „Essen“

Früher einmal war Essen beim Großteil der Menschheit eine Notwendigkeit, um die erforderliche Energie dem Körper zuzuführen. Die frühen Jäger erlegten ein Wild, schleppten es nach Hause und alle schlugen sich die Bäuche voll – bis wieder Hunger aufkam und das Ganze von vorne begann.

Eigentlich drehte sich über Jahrtausende das Leben in erster Linie ums Essen. Zwar war nicht wichtig, wie dieses aussah und wie es angerichtet wurde, wichtig aber war, dass genug da war, um sich selbst, die Familie oder seine Sippe zu ernähren.

Es gab immer schon Personen, die höherrangig waren und bedient wurden. So sind die Gelage der alten Römer oder der mittelalterlichen Ritter legendär und füllen Geschichten und Filme. Vielleicht finden wir hier die Vorläufer der heutigen kulinarischen Bedürfnisse. Auf jeden Fall essen wir heutzutage mehr als unser Körper benötigt – Essen wurde zu einem gesellschaftlichen Standard –es bedeutet weit mehr, als  Energiezufuhr.

Gut genährt zu sein, war auch einmal ein Statussymbol. Dies bedeutete, dass es einem gut ging und das durfte durchaus jeder sehen. Heutzutage zeigt sich ein Phänomen u. zw. dass Übergewicht in den obersten Gesellschaftsschichten kaum ein Problem darstellt – trotz vieler Essenseinladungen etc. –  sondern bei der Mehrheitsbevölkerung zutrifft, weil zuviel und falsch gegessen wird. Hier findet sich ein gesellschaftliches Problem, denn Essen kompensiert oft andere Defizite. Essen und Trinken vermitteln gesellschaftliche Zugehörigkeit, Anerkennung, das Gefühl, dabei sein zu können. Konsumation wird zur Ersatzhandlung und Ersatzbefriedigung, deren Ursache in der Tiefe der individuellen psychischen Situation liegt. Leider werden solche Handlungen bald konditioniert – also angelernt und zur Gewohnheit. Auch Körperzellen lernen und verlangen nach mehr.

Ist Übergewicht ein gesellschaftlich-psychisches Problem, dann muss wohl die Lösung in diesem Feld gefunden werden. Neben Medizinern und Ernährungsberatern wären also auch Psychologen und Psychotherapeuten aufgerufen, sich um das Übergewicht zu kümmern bzw. ist den Übergewichtigen anzuraten, die eigentliche Ursache ihrer zuvielen Kilos zu ergründen – denn zuviel Essen ist wohl nur ein Symptom einer Ursache, das zum Symptom Übergewicht führt. Wenn nun Veränderungen eintreten sollen, dann – und das ist wohl einleuchtend – müsste wohl an der Ursache gearbeitet werden, die man meist nicht von alleine erkennt.

 

Foto: dreamstime_6543763-arne9001.jpg

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmail